Kambodscha ist ein Land der Extreme: Zwei Jahrzehnte relativer Stabilität folgten auf Bürgerkrieg und die Schreckensherrschaft der Roten Khmer in den 1970er-Jahren. Doch die traumatischen Jahre wirken bis heute nach. Das Land bleibt arm, der Zugang zu Schulen ungenügend, die Gesundheitsversorgung mangelhaft, viele Menschen psychisch belastet. Die Mehrheit der Leute sind Kleinbauern, die knapp den Eigenbedarf decken; Textilproduktion und Tourismus schaffen Einkommen, erreichen aber nur einen kleinen Teil der Bevölkerung.
Die Roten Khmer töteten schätzungsweise 1,7 bis über 2 Millionen Menschen, zerstörten Bildung und Gesundheitssystem, wodurch eine ganze Generation ohne Schulbildung aufwuchs. Auch heute gibt es zu wenig Lehrkräfte, viele Schulen bieten nicht einmal sechs Jahre Primarunterricht. Korruption und Machtmissbrauch prägen das Land; Regierungschef Hun Sen regiert seit 1985, Opposition wird unterdrückt, Wahlen gelten international als unfair. Er trat das Amt 2023 an seinen Sohn ab, bleibt aber starker Machthaber der regierenden Volkspartei.
Posttraumatische Störungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie hohe Suizidraten sind verbreitet. Gewalt, insbesondere sexuelle Gewalt, ist weit verbreitet: Ein Fünftel der Männer gab an, schon eine Frau vergewaltigt zu haben, 16 % der Opfer waren unter 15 Jahren. Strassenkinder und arme Frauen werden häufig zur Prostitution gezwungen.
Armut begünstigt Menschenhandel und Zwangsarbeit. Opfer stammen meist aus ländlichen Regionen und geraten durch hohe Kreditzinsen oder verlockende Arbeitsangebote im Ausland in die Hände von Menschenhändlern. Dort enden sie als Zwangsarbeiter, Sklaven oder Prostituierte. Mangelnde Bildung erschwert es ihnen, die Gefahren zu erkennen, und der Ausbeutung zu entkommen.
Trotz wirtschaftlicher Fortschritte in Textilproduktion und Tourismus bleibt Kambodscha eines der ärmsten Länder Südostasiens, geprägt von Armut, Gewalt und den bleibenden Folgen eines traumatischen Erbes.